Jugendbauernhof - Erlebnis- und Heilpädagogik und individuelle Förderung für Kinder und Jugendliche
Als Angebot der Zentralen Pädagogischen Dienste erfüllt der Jugendbauernhof - ebenso wie das Reit- und Therapiezentrum Carpe Diem - einen wichtigen Förderauftrag im Bereich der tiergestützten Pädagogik im Jugendhilfeverbund Martin-Luther-Haus.
Der Jugendbauernhof bietet ein ausgesuchtes Spektrum von Tierarten (Kühe, Pferde, Esel, Ziegen, Schafe, Schweine, Kaninchen, Hühner, Enten, Ziervögel etc.) Im Jahr 2008 zogen die Tiere in einen modernen Bauernhofkomplex mit zahlreichen Stallungen und Vollieren innerhalb des Geländes des Martin-Luther-Hauses um.
Die dort lebenden Tiere haben für die Kinder und Jugendlichen einen hohen Attraktivitätswert. Die Vielfalt der Tierarten macht es möglich, den unterschiedlichen Persönlichkeiten unter den kleinen und größeren Besucher/innen des Jugendbauernhofs das "richtige" Medium Tier für ihre individuelle Entwicklung anzubieten. Jedes Tier stellt mit seinem eigenen Charakter ein besonderes Beziehungsangebot dar, welches für spezifische pädagogische bzw. heilpädagogische Zielsetzungen geeignet und wirkungsvoll ist.
Der Schwerpunkt der tiergestützten Pädagogik im Jugendbauernhof liegt also auf der Beziehungsgestaltung zwischen Kind und Tier.
Bei der Förderung auf dem Bauernhof ist ein Faktor besonders hilfreich - Tiere sind „wertfrei": Sie nehmen ihr Gegenüber so an, wie es ist. Somit fällt es den Kindern leichter sich zu öffnen, Beziehungen einzugehen, die Kinder trauen sich ihren Kummer mitzuteilen und können dadurch soziale Isolation überwinden. Aber auch zahlreiche weitere Entwicklungsziele im motorischen, emotionalen, sozialen, bildenden und arbeitserzieherischen Bereich können angestrebt und entsprechend gefördert werden.
Im Jugendbauernhof des Martin-Luther-Hauses wird mit zwei unterschiedlichen Methoden gearbeitet:
Die Individualförderung: Bei bestimmten Indikationen werden gezielte Projektmaßnahmen mit Kindern bzw. Jugendlichen in Form von Einzel- oder Kleingruppenarbeit durchgeführt. Diese Methodik ist besonders zur Förderung der Motorik (beim Misten von Ställen, der Reparatur von Gehegen, dem Bau von Zäunen etc.) und zur Förderung der Emotionalität (gemeinsames Striegeln und Streicheln von Pferden, behutsames Schneiden der Krallen von Kaninchen etc.) geeignet. Von besonderer Bedeutung ist dabei die pädagogische Beziehung, Ruhe und Nähe zwischen Pädagogen/-in und Kind, die im Einzelkontakt besser möglich und dem Aufbau der Beziehungsfähigkeit des Kindes förderlich ist.
Das „Tiere versorgen": Die Kinder und Jugendlichen verpflichten sich freiwillig, in ihren Alltag integriert, bestimmte Tiere des Jugendbauernhofs zu vereinbarten Zeiten mit Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit angemessen zu versorgen. Hierzu werden sie durch Pädagogen/-innen in Form von Kleingruppenarbeit angeleitet und unterstützt.
Grundlage der tiergestützten Arbeit im Jugendbauernhof ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen/-innen des Jugendbauernhofs und den Pädagogen/-innen der Gruppen, in denen die Kinder und Jugendlichen betreut werden. Hierzu findet ein regelmäßiger Austausch im Sinne der Hilfe- und Förderplanung für das jeweilige Kind statt.